Auf See
17°10N - 24°30'W
Wind: NO 4

Freitag, 25. November 2005
10. Tag auf See

Hundewache? Zwar nicht ganz, aber trotzdem hundemüde quälen wir uns zur Ruderwache um 4.00 Uhr aus den Kojen. In der schwankenden Finsternis des Vorschiffs beginnt ein blindes Herumgetaste nach den wenigen Habseligkeiten, die den Körper vor den Elementen schützen sollen. Die Hose ist schnell ertastet, hängt sie doch über dem Außenborder des Dinghis, der an Gondolins Koje befestigt ist und zur Not auch mit dem Geruchssinn gefunden werden kann, es sei denn, der in der Nähe bedrohlich wie eine prähistorische Keule schwankende Schinken überdeckt mit seinem strengen Geruch nach ranzigem Fett mal wieder den Dieselgestank. T-Shirt und Sweatshirt hingegen liegen schon griffbereit. Schwieriger wird es dann wieder mit den Sandalen. Tapsende und tastende Finger suchen den Boden zwischen Leiter, Kartoffelsack und diversen anderen Schuhen ab, bis auch dieser Fund getätigt ist. Torkelnd und mit noch vom Schlaf verquollenen Augen müht man sich dann an Deck.
Das erste, was auffällt, ist, daß der Wind mal wieder nachgelassen hat und wir unserem Ziel, der kapverdischen Insel Sao Vicente, nun mit nur noch knapp 2 Knoten entgegendümpeln. Aus der heraufziehenden Morgendämmerung schälen sich schließlich die ersten Umrisse einer größeren Insel, an der wir aber noch vorübersegeln. Im kurzen, aber wunderschönen Farbenspiel der Morgenröte – für das abzulichten und auf Film zu bannen unser Skipper Daniel es sich nicht nehmen ließ, mit Videokamera bewaffnet ins Krähennest zu steigen – verschwindet die gesichtete Insel dann wieder im Morgendunst.
Endlich im Hafen angekommen, kommt uns eine in ärmliche Lumpen gehüllte Gestalt in einem kleinen Ruderboot, bestückt mit nur einem Riemen, entgegengepaddelt, stellt sich als Louis vor und möchte uns einweisen und mit Informationen versorgen. Dafür bekommt er dann den defekten Außenborder, der auf der Falado vor sich hingammelt. Recht schnell bekommen wir auch Diesel, müssen aber dann wieder im Hafen vor Anker gehen, da die Ein?/Ausreiseformalitäten erst am nächsten Tag erledigt werden können. Das gibt uns Zeit für einen nächtlichen Landgang und ein oder zwei frische kühle Biere in einer Kneipe.
Die Ortschaft duckt sich mit ihren gräulich tristen Häusern eng an die kahle braune Hügellandschaft, in der das Auge keinen grünen Flecken entdecken kann. Trotzdem finden wir eine nette Bar, zwar ausschließlich von Europäern besucht, in der sogar Live-Musik gespielt wird. Vom schmalen Balkon mit seinem Holzboden und dem Eisengitter kann man das Treiben auf der Straße darunter beobachten. Viel gibt es allerdings nicht zu sehen. Ab und zu flanieren junge Frauen und Männer, herausgeputzt für den Abend, unter dem Balkon vorbei, um kurz danach in eine der engen Seitenstraßen zu verschwinden. Ein mitten auf der Straße liegender Kartoffelsack entpuppt sich kurz darauf als Hund, als er bereitwillig dan herannahenden Autos ausweicht und sich auf den Gehweg trollt, um dort seiner Körperpflege nachzugehen, und die Flöhe aus seinem Fell beißt.
Der Abend klingt für Jochen, Teddy und mich an Bord der Falado aus, wo die erste Schiffswache von 0.00 bis 1.00 Uhr unserer Wachmannschaft ansteht, während der Rest der Crew noch in der Ortschaft unterwegs ist.

Constantin


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